2016/09/23

achimsande mussichsterben: io, GAW und van daale reden über magma, heimatgeschichte und schöne frauen; aufgenommen 1981 in tübingen

1981 habe ich ja noch mitten in der südwestdeutschen kassettentäterszene in tübingen gewohnt; und ich war, wie ihr wisst, als van daale bekannt. jeeeeeeeenun; irgendwann im spätsommer 1981 also haben mich io, die dem erdboden und der erde am meisten verbundene punk-frau der damaligen welt, und GAW, der grösste avantgardist westdeutschlands mit seinem selbstgewählten akronym, in meinem studentenzimmerchen in der tübinger südstadt besucht. GAW war damals gerade in seiner albrecht/d.-phase (er sprach sehr langsam, liess jeden gedanken zu und äusserte ihn ohne bedenken, und er riss jeden noch so belanglosen gedankengang der anderen an sich und formte ihn zu einem möglichst platten witz), io planierte breiträumigst alle verständlichkeiten der konversation mit obskuren alltäglichkeiten, deren allgemeingültigkeit sich dem zuhörer auch dreissig jahre später noch nicht bis ins letzte erschliesst (diesen satz hätte sie damals wie heute mild bejubelt, und sie hätte mit zenbuddhistischer freundlichkeit irgendwas ganz anderes erzählt, ohne das eigentliche "thema" [the lema] zu erwähnen oder aus den augen zu verlieren), und van daale legte obskure platten von zomby woof oder magma auf, und sorgte sich um den grad der trockenheit seiner wäsche im externen trockenraum neben dem klo jenseits des ganges. insgesamt war das ganze also unglaublich banal, und das kommt auch ganz gut rüber. jede und jegliche sensation in diesem triolog ist also das gegenteil, beziehungsweise die nichterbringung oder kenntnisnahme oder einschliessung einer, irgendeiner, oder jedweder sensation. das dokumentierte gespräch hat also keinen inhalt. und das ist, ihr habt es schon geahnt, der eigentliche inhalt; sehr eigentlich, und sehr inhaltlich. eine konversation über nichts, wie sie john cage beschrieb, ohne nichts zu erwähnen (stellt euch das wort "nichts" in anführungszeichen vor).

(direkt anzuhören als mp3; die bilder müsst ihr speichern)

2016/09/16

das st. petersburger bläserquintett spielt werke von mozart, taffanel, hindemith und ligeti; leningrad 2002

das st. petersburger bläserquintett oder the st. petersburg woodwind quintett ist im netz nur schwer zu finden; und die wenigen fundstellen sind ebenso schwer zu verifizieren. es gibt unklare hinweise, dass sie mit neva-brass zusammenhängen, einem sich selbst zwischen 2008 und 2015 für alle möglichen anlässe als unterhaltungsmusiker anpreisenden quintett von holzbläsern; und mit grosser sicherheit sind die meisten mitglieder der hier präsentierten formation inzwischen (gleichzeitig, vorher, nachher?) beim mariinsky theatre wind quintet in st. petersburg beschäftigt. genauere nachforschungen hinter den angegebenen links ergeben sicher genaueres; aber ich erlaube mir den luxus, dazu im moment keine lust zu habe.
nebenan im wunschmaschinenklang hatte ich die gruppe letztens mal erwähnt, nachdem ich ihre-diese-hier cd im stuttgarter oxfam gefunden hatte. daraufhin meldetete sich einer meiner leser via twitter (seid ihr eigentlich alle zu blöd oder zu schüchtern, die anonyme kommentarfunktion in diesem blog zu nutzen, oder was?), und meinte, er hätte gerne mehr von diesem ensemble gehört. also, dann machen wir das jetzt.
die fünf leningrader jungs also spielen werke von mozart, taffanel, hindemith und ligeti; genaueres ist den scans zu entnehmen (manche sind hier direkt sichtbar; manche erst nach dem download; da bin ich eigen); und das ganze klingt angemessen angenehm. die obskurität der aufnahme lässt sie natürlich noch interessanter scheinen als sie sowieso schon ist; aber das ist ja der anspruch hier insgesamt, wollnmasagen. ihr wisst was zu tun ist.

(mp3 / all scans included / direct download)

listen to track 11 (ligeti; rubato) directly in your browser.


2016/09/06

1981, irgendwo zwischen leonberg und tübingen: sven blitzcreek, le marquis und ralf van daale fahren im auto und erzählen sich unglaublich platte witze

this one goes out to the eingeweichten, to the ausgewaideten und to the zweitgeweihträger: irgendwann im herbst 1981 fahren die drei jungs von zimt und autofick nach einer wie immer ertragreichen probe im leonberger übungsbunker zurück nach tübingen, und ich habe ihre flachen witze im auto aufgenommen; und ich bin auch noch stolz darauf, oder zumindest sehr froh darüber et cetera et cetera (kurzer diskurs über hierarchische strukturen im punk, und warum die hausbesetzerles mehr tolle frauen abgekriegt haben als die intellektuellen metapunker, und warum sven denn doch et cetera); und das hat noch nie jemand gehört.
da sind also sven blitzcreek gormsen am steuer, le marquis auf dem rücksitz, und ralf van daale aka siemers am kassettenrekorder. allesamt sind die drei von burroughs gestählte einzelkämpfernde supersoldaten der operation mindfuck; und so klingen wir denn auch: selbst fips asmusen hätte nicht mehr unter unser niveau gepasst; und wir alle liebten fips asmussen damals, und wir lieben ihn bis heute. aber davon mal abgesehen: die ersten paar minuten sind tatsächlich ziemlich öde; sind aber notwendig für das verständnis des dann kommenden. witze wie "eye and eye isst kaviar" werden tatsächlich erst im gesamtzusammenhang verständlich; und die einzelnen bezüge auch der akteure untereinander und ihre sich gegenseitig erklärenden witzchen werden erst im nachhinein verständlich. so auch jetzt: ich erkläre euch im nachhineinonkelotto, dass die sich einander aufhebenden erklärungen der erklärten witze sich ineinander metaverklärt aufheben und immanentimplizit sich selber auf eine sich bis dato nur geahnte ebene transfomieren; nicht etwa "erheben", da die hierarchische struktur der ebenen weder bekannt, noch, wenn sie denn überhaupt existiert, akzeptiert ist, und als nichtgesagtes in sich selber aufgeht, überflüssig wird, und noch nicht mal an der nächsten strassenecke auf den dreamseller warten kann, ohne sich über sich selbst (ohne das selbst in sich zu haben, oder es anderen zu begreifen) kaputtzulachen, was schöner aussieht als kaputt zu lachen; sich also im schreib-, setz, oder druckfehler wiederfindet (als hätte es sich tatsächlich verloren) und das eigene in irgendeiner wirklichkeit vorhandene niveau als das unter sich selbst befindende und befindliche akzeptiert, und vermutlich auch an diesem punkt des raumzeitkontinuums (das ja in wirklichkeit kein kontinuum ist; wobei man sich fragen muss - wer auch immer "man" ist - ob es wirklich ein kontinuum ist) schon wusste, oder zumindest wusste, das man es irgendwann wird wissen wollen oder werden wird  oder gar müssen; nicht "müssen" im hierarchischen sinne der abfolge, sondern als logische konsequenz im linearen ablauf, der durch die gleichzeitige wahrnehmung aufgehoben sich in sich selbst verschlingt.
so klingen in diesen platten witzen die dinge mit, die wir damals noch unterhalb der banalität bereits anklingen liessen; und ihr geht mit uns auf die reise in das eigene nichtbewusste und kommt in irgendeinem irgendwo raus, von dem ich gerne mehr erfahren möchte; dafür gibt es die (gerne auch anonyme) kommentarfunktion in diesem blog. horridoo!

(mp3 / linksklick zum anhören, rechtsklick zum speichern)


2016/09/02

irgendwann in den neunzigern: albrecht/d. im gespräch mit redakteuren vom freien radio stuttgart

das hier ist extrem seltsam: aber so ist die arbeit am und im nachlass vom stuttgarter postfluxus-künstler albrecht/d. nun mal: eine kassette mit dem nicht von ihm selber geschriebenen hinweis "Albrecht/d. Interview Freies Radio" ohne jahreszahl oder sonstige hinweise; auf der a-seite ist das drei oder vier posts weiter unten bereits veröffentlichte kurzweilige gespräch mit claudia steinsberger von 1993, das damals von sr2 kultur gesendet wurde. auf der rückseite ist ein sehr fragmentarisch dokumentierter auftritt im freien radio für stuttgart.
das gespräch mit den mir nicht näher bekannten herren alex und carsten wird von einer zögerlich vom blatt ablesenden redakteuse ("dschoseph beuys") eingeleitet, die einige biographische daten zum besten gibt. nach ein wenig schlechter musik, die zu löschen ich mir erlaubt habe, folgt nach einem kurzen exkurs zur ketchup-flexidisc ein gespräch über die situation der stuttgarter kulturförderung, dann folgt ein bisschen durcheinander und sachen und zeugs, und das interessantete statement von albrecht/d. wird mitten im satz vom ende des bandes überrascht. herrlich. insgesamt klingt die aufnahme, als sei sie aus den mittelwellenanfangstagen des senders, mit störururungen, gerumpel und gefiepse; doch genaueres ist auch beim zweiten hören nicht zu detektieren. 
das macht aber nichts; genauigkeiten würden das fragment nur entzaubern; und das möchte ja keiner von uns. falls euch was sinnvolles zum thema einfällt, dann schreibt es in den kommentar; die kommentarfunktion ist auch für anonyme schreiberlinge geöffnet. aber das hat ja auch bisher keiner von euch geblickt. 

2016/08/26

"...drum bleib i koa bauernknecht mehr!" - oberbairische songs und instrumentalmusiken von 1837 und 1920

emanzipation: sich aus den händen der anderen begeben: zuhören zwar, aber nicht gehorchen: die eigenen bedürfnisse nicht als ausfluss fremder bedarfserhebungen erleben: der bairische individualanarchismus als unabhängender prägungsstrang der potentiellen selbstwahrnehmung und der daraus folgenden fröhlichen unsicherheit in der nichthierarchischen strukturlosigkeit des alltäglichen lebens in einer herrschafts-, aber nicht regellosen zukunft mit unabhängig ausgehandelten punktuellen bündnissen.
hier sind texte aus den frühen freien befreiten sich selbst befreienden 20er-jahren des letzten jahrhunderts verwoben mit der instrumentalmusik des thomas berger aus tittmonning von 1837, in denen und in der eben jener begriff der "emanzipation" spürbar wird; die nicht mehr herrschende musik ist nicht mehr die musik der herrschenden; und wenn sich der klang der musik ins neue unerhörte verschiebt, dann wackeln die mauern der städte und dörfer, und babylon wird den schrott der tage hinwegfegen ins offene meer, und über die zu hohen berge hinaus.
in diesen songs als wurde die kleinkinderdialektik (und da ist eine der wenigen wahren) für die beteiligten menschen sinnlich spürbar, verständlich (und das heisst: verständlich), und in aller ungewissheit die zukunft prägend. und auch wenn diese musiken inzwischen als begleitklang der wetterbilder des bairischen fernsehens vor sich hin schlummern, so ist ihr revolutionäres potential (im sinne der umwertung, nicht der simplen umkehrung) noch lange nicht erschöpft. 

die hier beteiligten musiker sind sich der widersprüchlichkeiten durchaus bewusst; dadurch kommt es nicht zur verschiebung dieser musik ins volkstümliche. die publikationen des archivs oberbayerischer volksmusik tragen zumeist zumindest einen aufrührerischen funken, oft genug aber auch den gedanken der selbständigen emanzipation in sich; das ist wohltuend und unterstützenswert. einem automatisierten geschichtsoptimismus wird hier im übrigen nicht das wort geredet; jede einzelne entscheidung ist ganz offensichtlich die entscheidung eines einzelnen (zum teil auch sehr gerne vereinzelten) individuums.
zum download also gibt es alle auf der cd versammelten klänge (diese sind im übrigen gemeinfrei und ohne copyright; keiner der beteiligten musiker gehört der gema an; alles wird gerne und mit allen geteilt), dazu einen relativ schlechten scan der beigefügten bilder und texte; lesbar und goutierbar bleibt das aber allemal. weiterführende bilder und texte sind also in der komprimierten download-datei zu finden; einige bilder und klänge gibt es wie gewohnt hier in diesem blog in diesem post.

(mp3 / all scans (dreissig seiten oder so) included / direct download)

listen directly zu zwei von die stücke; das ist der ländler von stück acht und ist der ländler von stück 33; was die wollensollen steht im text von die 30-seiten-booklet welchselbiges ist included dem oben erwähnten download. the rest is up to you, the rest, die ruhe, sozusagen, haha...


2016/08/19

1995: der stuttgarter untergrund und befreundete abweichlerungen: harakiri #4

das harakiri war, wie ich schon mehrfach erläutert habe, ein stuttgarter musikmagazin mit beigefügtem tonträger; anfangs gab es vinyl, später dann cds. es ging tatsächlich um den sich selbst im untergang achtenden untergrund: die letzten paisley brothers, die todesmetaller und die sanften punks verteidigten gemeinsam die tore der hölle, auf dass kein unbefuckter zutritt bekam zu den verborgensten stufen der erleuchtung und so weiter. also vom konzept her relativ langweilig, und in der ausführung recht vorhersehbar: die üblichen selbstüberschätzer übertönten die freundlichen neuklangforscher und so weiter; ihr wisst ja wie das ist.

doch egal: auf diesen cds (die nummern drei und fünf sind entweder hier im blog oder nebenan in der spurensicherung zu finden; das auffinden derselben überlasse ich eurer geballten internetkompetenz) ist doch immer einiges lustiges zu hören; und das wollen wir heute auch wieder mal tun. viele der bands kommen aus stuttgart und den umliegenden provinzen, einige kommen von weiter weg und durften trotzdem. nungut.

auf der nummer vier vom harakiri hören wir also folgendes:

01 - phoenix quicksand / boldly scared
02 - cimt / settle down
03 - tourettes / der job
04 - surrogat / tick
06 - das mango / seafood gumbo
07 - refugees / skinning
08 - the soulboy collective / pattonville soulgirl
09 - sifter / my god
11 - feed / 25 downin' street
12 - killrays / suspended hell
14 - butter / buttersprache
15 - herby intox / ticket to earth
16 - cain / dependence
17 - champagner / zwei licht
18 - king walrus / step forward
19 - shiver / can't get you out of my head
20 - mind kiosk / involved

hidden tracks; warum auch immer:
21 - mind kiosk mit daniel fist / hildesheim
22 - hooker / sado swinger

daswars. über die bands findet ihr wie üblich mehr bei discogs; und wie üblich könnt ihr euch die etwasandersfarbigen tracks direkt anhören. 

(mp3; alles included; direct download)


2016/08/12

der amerikanische präsident john adams hat im sommer 2003 auch mal kurz in stuttgart vorbeigeschaut; und das war das beste was er tun konnte: an stuttgart vorbeischauen.

ich hasse ja schon alleine das verb "schauen": schau mal vorbei, ich schaue mal vorbei; er hat vorbeigeschaut. grauenhaft. aber egal, darum geht's mir ja auch nur ganz am rande. das könnt ihr einfach kurz bedenken und dann sacken lassen; jetzt kümmern wir uns um was anderes. 
also-egal: im jahre 2003 fragte mich das us-amerikanische label umbilical, ob ich nicht lust hätte, auf der nummer zwei ihrer unendlich weit in die zukunft geplanten sampler-reihe - jeweils irgendeinem der jeweils schon toten us-präsidenten gewidmet - irgendeinen krach zu veröffentlichen; ich müsste zwanzig dollar als beitrag zu den produktionskosten zahlen, und kriegte dann fünfzig belegexemplare. das erschien mir zwar für die produzenten der serie wirtschaftlich ziemlich unsinnig, aber ich habe mich darauf eingelassen. und es hat geklappt, warum auch immer. für meine zwanzig dollar bekam ich tatsächlich fünfzig exemplare dieses samplers mit einem kurzen stück von mir. dass anschliessend das label verschwand, und die samplerreihe nicht mehr fortgesetzt wurde, hat mich tatsächlich nur wenig gewundert. solche kamikaze-aktionen zur verbreitung seltsamer musik hatte ich ja selber einige jahre vorher mit dem projekt KLÄNG! bereits hinter mich gebracht. 
so also erschien diese eine minute von siemers damals  in den usa in einem durchaus gegenseitig irritierenden zusammenhang: die punks mussten mittendrin meine komposition für altmodische simulatoren traditioneller elektronischer musik anhören, und ich musste um meine studie für gefälschte darmstadt-avantgarde herum mittelschnellen punk und mittelschnelles emo-zeugs anhören; insgesamt also eine klassische win-tin-tin-situation. das ding ist bis heute eine meiner seltsamsten veröffentlichungen (die erwähnungen auf discogs lassen ja nur einen kleinen teil der überwältigenden masse durchscheinen); von der cd habe ich noch ein paar exemplare: wer eine solche will, der oder die oder das soll das bitte in den kommentaren kundtun, oder meinetwegen kund tun. kommt sofort. 
 
jedenfalls für heute könnt ihr das hier mal downloaden:

(mp3 / all scans included / direct downlord)

oder ihr könnt euch sanbox oder makeshift oder meinen beitrag mal direkt anhören; einfach mit der linken maustaste anklicken.