2017/05/26

das radio-sinfonieorchester stuttgart unter der leitung von michael gielen spielt maurice ravel (1975) und charles ives (1973)

der dirigent michael gielen interpretierte damals mit den ihm anvertrauten klangkörpern eigentlich lieber stockhausen und kagel, als sich auf den gesicherten positionen der klassischen moderne des beginnenden 21. jahrhunderts wohlfeile meriten abzuholen; wohlwissend, dass auch kagel und stockhausen nicht mehr die speerspitzen der gesellschaftlichen befreiung der musik, beziehungsweise der musikalischen befreiung der gesellschaft, beziehungsweise irgendeines blablas sind, und auch niemals waren. aber immerhin hat man anfangs der siebziger seltsame bärte tragen können ohne im lager zu landen.
zwanzig jahre lang, von 1964 bis 1984, war michael gielen dirigent beim radio-sinfonieorchester stuttgart, und für sein werken und wirken im bereich der sogenannten neuen musik gebührt auch ihm eine skulptur in der allee, die den weg vom neckartor hinunter zum neckar führt; gleich neben rimbaud, verlaine, beckett, döhl, bense oder arno schmidt. und so ist es ja auch.
für diese aufnahmen-hier hat er sich erlaubt, die kompositionen von maurice ravel relativ traditionell einzuspielen; doch mit den stücken von charles ives haut er voll auf die kacke, und knallt sie als prae-industrial-noise durch die gegend. das ist geil, und so hatte ives sich das 1906 wohl auch vorgestellt: auf die fresse!
als taster und teaser und trigger gibt es jetzt 47 sekunden von maurice ravel; den rest solltet ihr selbst erkunden.

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2017/05/12

franz schubert und johannes brahms live in holzgerlingen 1997

zum zweihundertsten geburtstag von franz schubert und zum hundertsten sterbetag von johannes brahms fand im schönbuch-gymnasium in holzgerlingen 1997 ein konzert zu ehren der beiden komponisten statt. zur aufführung kamen einige standards der geehrten, einiges an verstreutem, entlegenen material von schubert und brahms (eines der stücke von schubert hatte es ja sogar einmal - allerdings in der interpretation von dietrich fischer-dieskau - auf einen bootleg von nico geschafft), und ein moderater hauch hin zur neuen musik mit einer komposition von heino schwarting. insgesamt also eine solide, kaum über sich selbst hinausweisende veranstaltung; aber liebenswert.
hört euch doch nur mal eben kurz was von brahms (ungarischer tanz #18), von schubert (frühlingstraum), oder vom erwähnten heino schwarting (franz schubert grüsst robi aus dem jenseits) an; und dann könnt ihr das ganze konzert downloaden; ihr wisst ja wie das geht.

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2017/05/05

rotorik:cell (the 1999 demo recordings for no time music plus some more)

wie kommt das denn jetzt hier=her?? das ist einfach und äh coumpliziert: also. rotorik ist wohl ein gewisser CS aus flensburg, der sich nach einigen jahren in diversen bands um 1999 konsequent und radikal neu erfand und umbenannte in rotorik; die gründe dafür lässt er im verborgenen. er war davor/danach/währenddessen ein teil der band TET, tauchte in diversen tekkNO- und illbient-zusammenhängen auf, und verschwand so gegen 2011 aus meinem blickfeld.
um das jahr 2000 herum vertrieb sich mein düsseldorfer freund argee gleim die zeit mit seinem mini-label no time music, das obskure veröffentlichungen ambitionierter beatles-imitatoren, klassischer streichquartette und aus der zeit gefallener traditionsjazzer neben knalllauten unverschämtheiten von tommi stumpff und überschrägsten acid-abweichungen von ziggy p. einer komplettignoranten öffentlichkeit um die ohren zu hauen versuchte; doch die arschlöcher wollten noch nicht einmal die platters oder ricky shayne hören. doch immerhin hatten sich in dieser zeit der oben erwähnte CS und der völlig unterschätzte tommi stumpff halbprovisorisch angefreundet, so dass die ersten demo-aufnahmen, die CS unter dem namen rotorik produziert hatte, als cd-r auf no time music erscheinen konnten. die ausgedehnten track-exkursionen konnten allerdings ihre schlagkraft im angesicht einer eher an offensichtlichem techno-gestampfe interessierten öffentlichkeit nie so recht entwickeln, und so verschwanden die frühen weiterverarbeitungen der bonnrepublikanischen tradition der kosmischen musik sogar aus den offiziellen diskographien von rotorik.
ob er sich selber nicht verstanden hat, oder ob es nur der ignoranz der eigenen tradition geschuldet ist, das sei dahin oder dorthin gestellt, und es ist auch völlig gleichgültig: sowohl das label als auch der musiker sind heute verschwunden, und die hinterlassenen spuren sind nur noch den eingeweihten fährtenlesern hinlänglich nahezu. 
ehe wir uferlos ausufern (ich erinnere mich immer noch gerne an "das andere ufer" in hannover, so um 1979 herum) kommen zum hören der folgenden aufnahmen zu hören: wir hören also die cd, und wir hören ein paar tracks von der homepage von rotorik zu hören, die seit 2011 nicht wesentlich aktualisiert wurde, und diese tracks stammen von einem live-konzert aus derdiedem muttertag auf der stuttgarter prag von 2001 hören und hören undatierte arbeitsaugnahmen zwischenergebnisse zu hören.

cd-r 2000
01 - cell studio
02 - cell live
03 - [cell:] the overdub
05 - conic device 1-3

live in stuttgart 2001
07 - speedlog02
08 - knochenjob

undatiert auf der homepage:
09 - vorticistbrunch
10 - pozytroniq

(mp3 / direct download)

2017/04/21

"die gesellschaftliche relevanz von musik" - eine diskussion aus dem jahre 1969; mit theodor w. adorno, dieter schnebel, ludwig finscher und hans g. helms

was wir heute-hier in grauenhafter klangqualität uns anhören, ist eine sendung von s2 kultur aus den frühen neunzigern des letzten jahrhunderts des letzten jahrtausends; ursprünglich wurde diese diskussion 1969 vom hessischen rundfunk gesendet, und irgendwann in den neunzigern wurde sie von paul fiebig für die sendung "musikliterarisches studio" auf s2 kultur wiederentdeckt, restauriert, mit musikbeispielen angereichert, und behutsam redigiert.

wir hören also dieter schnebel, hans g. helms, ludwig finscher und theodor w. adorno in einem theoriezentrierten gespräch über die gesellschaftliche relevanz von musik, und speziell über die relevanz der "neuen musik", deren relevanz für die umwälzung gesellschaftlicher prozesse, und deren rolle als antezepatorin der neuen gesellschaft (sowohl in der auswahl der produktionsmittel, als auch in der eutopistischen vorschau kommender gesellschaftlicher binnen- und aussenverhältnisse) damals leidenschaftlich umstritten war; heutzutage interessiert diese art der analytischen und ins jenseits der herrschenden verhältnisse weisenden diskussion keine sau mehr. die sau wird entweder nach kurzer qualmast als leberwurst oder kloreinigerbürste verwertet, oder sie erlebt als glückbringendes marzipanschweinchen ihre kurzlebige wiedergeburt. anyway; sie ist tot und süss und harmlos und tot.
dem war damals nicht so; und die diskussion über stockhausen musste nicht zwangsläufig die antisemitische version der diskussion über den besitz der banken und den besitz der weltherrschaft beinhalten; geblieben ist also ein stumpfer anti-intellektualismus, der zu blöde ist, sich überhaupt nachvollziehbar und halbwegs sinnvoll zu artikulieren. die okkupierung der hashtags im neuen schlagwortismus ersetzt die einverleibung der kritischen analyse, der zerrnerv-ende hinüberwegschwall des kunstsprechs, und die vernissagen- und uraufführungsbesessenheit ersetzen die intensive und geistvereinnahmende annäherung an die inhalte. und natürlich ist dieses-mein drüberherschwafeln exakt das, was es kritisiert und verdammt. sehr schön.

wir hören also jetzt knapp achtzig minuten dieses gespräches der vier erwähnten herren; die aufnahme habe ich im nachlass des stuttgarter postfluxuskünstlers albrecht/d. gefunden und nur marginal bearbeitet. der abrupte, unvermittelte beginn der aufnahme ist dem zustand des originalbandes geschuldet. beat your bbrains out.


(mp3; anhören linksklick; speichern rechtsklick, die bilder nicht vergessen; alles ohne werbung. interessant übrigens, dass albrecht/d. auf der kassette nur helms und adorno vermerkt hat, schnebel und finscher nicht)

2017/04/14

resonanz 2008: der klang-almanach der staatlichen hochschule für musik und darstellernde kunst stuttgart beleuchtet die musik der klassischen moderne: schönberg, berio, lachenmann, yun, konrad, boulez et cetera et cetera

der klang-almanach der staatlichen hochschule für musik und darstellernde kunst stuttgart beschreibt 2008 zumeist längst gesicherte positionen der klassischen modernen musik, geht aber an einigen punkten durchaus über sich hinaus: eine solide darstellung der stuttgarter sicht auf die "neue musik", mit einigen petrolfarbenen einsprengseln und schrillpuroten blitzlichtern. je triefer in die marterie eingegryphon wird, je entfernterer sich die boreschreiung.
waiss wier all-zu hörnern itzt die zammfassing der schritter andy frischelufft dortselpst und hieroimeizellnen; anmanchin punck-ten erstrahlt vor lautererer proofessourenehrfucht untan man-n-chaine poungten sich wide-darryber hin-auss bewegegenden er-und sie-fahrungren: die errortischerste waisse welt macht MACHTzig puuperträne er/sie/fahrunkeln: whattze noyze ffur now-inn 2008?

lirstem:

01 - daniel schnyder
02 - arnold schönberg
03 - claude debussy
04 - edgar varèse
05 - luciano berio
06 - helmut lachenmann
07 - pierre boulez
08 - georg wötzer (listen directly in your browser)
09 - isang yun
10 - erhard karkoschka
11 - bernd konrad

dassALList weissichschon warichlängst kennich, abba trozztdem intrassant ohntmitt zweidreipfümpf neuön asspickten und blinckwincköln: der hausbau in brückenköpfern, der weg-stoss der vorwärtigen. das sind junge leute, die verstehen nichts von der avantgarde.

(mp3 / all scans included / direct download) 
 

2017/04/07

klassemenschen helfen rassemenschen: der lions-club remstal hilft benachteiligten kindern, und professor erwin lehn und die big band der musikhochschule stuttgart swingen und jazzen dazu

ungefähr 1995 hat der lions-club remstal diese cd herausgebracht, um benachteiligten kindern weltweit zu helfen. statt direkt mit dem in obszönen mengen vorhandenenen geld direkt dort einzugreifen, wo es notwendig ist, wurde eine cd hergestellt, deren verkaufserlöse, wenn es sie je gegeben hat, dem wohl dieser irgendwie "benachteiligten kindern weltweit" dienen sollte. ob die verkaufserlöse dieser cd solches je getan haben ist also vollkommen unerheblich. wir wissen nicht einmal, ob diese cd jemals im "freien handel" erhältlich war, oder ob sie nur auf irgerndeiner galaveranstaltung grosszügig unter der anwesenden journaille verteilt wurde. aber egal; ich jedenfalls habe das teil im stuttgarter oxfam-laden für einen angemessenen obolus erstanden, und ich gebe sie ob ihrer offensichtlichen seltenheit, obskurität und wegen ihres musikalischen gehaltes sehr gerne an euch weiter. 
wir hören also die big band der musikhochschule stuttgart unter der leitung von "professor erwin lehn", der den regelmässigen radiohörern im süden der republik durchaus als erwin lehn, und als leiter des südfunk-tanzorchesters ein begriff sein sollte. hier also schraubt er über die jahrzehnte hinweg immer wieder mit den wechselnden besetzungen der big band der musikhochschule stuttgart an diversen standards herum, und er kommt zu höchst angenehmen ergebnissen. wer im einzelnen an diesen aufnahmen beteiligt war ist hier nicht dokumentiert, und eine solche erwähnung der subalternen musiker dürfte auch nicht dem gesamtkonzept dieser cd entsprechen. 
aber egal; die musik hier ist nicht doof oder unangenehm, sondern den umständen entsprechend recht angenehm und anregend. wir hören also im folgenden folgendes:

01 - windmachine
02 - the song is you
03 - zarathustra
04 - things ain't what they use to be
05 - as time goes by
06 - well swing it
07 - charade
08 - washington post swing
09 - rat race
10 - open the show
11 - the sheik of araby (listen directly in your browser)
12 - mr. tschaikowski's swing
13 - front burner
14 - john brown's body
15 - auld lang syne

falls im einzelfall die komponisten und ursprungsinterpreten nicht klar sein sollten, sind die angaben in der beigerügten tracklist zu finden. so weit also.

(mp3 / werbefreier download / alle scans inklusive)

2017/03/17

albrecht/d. feiert seine entlassung aus dem schuldienst im kreise seiner kolleginnen und kollegen im späten herbst 2007

hier: es geht wieder mal um albrecht/d., unseren lieblings-postfluxus-künstler aus stuttgart; und alle so: "laaangweilich!!". doch das täuscht ihr euch; es wird noch schlimmer. und zwar folgen der massen: albrecht/d. war von 1968 bis 2007 als kunstlehrer an der rilke-realschule in stuttgart-rot beschäftigt; und er war eine wunderbare zumutung. an seinem letzten tag, irgendwann im hohen herbst 2007, steht er ganz am rande im mittelpunkt seiner abschiedsparty: seine kolleginnen und kollegen haben schon vorher nur wenig von seinem pädagogischen konzept verstanden; jetzt reissen sie ihre zoten, albern rum, oder verfehlen komplett das thema, während albrecht/d. ihnen zum letzten mal einige hinweise gibt, die dann komplett untergehen. der weise und der berg kommen nicht nur nicht zueinander; sie wissen noch nicht einmal voneinander. und nur so kann das klappen. 

und so klappt das auch. wir hören also den unfug, der auf dieser party abgesondert wurde; und, wichtiger noch: wir hören, was ungesagt bleibt, von albrecht/d., und vom kollegium. wir hören verlegenheitssatzeichen, auslassungspunk und kommahers, die nur in sich als signifuckatoren und signifuckenten so etwas wie "sinn", oder sinnhafftickeit ergeb'n; also im allerbesten sinne sinnenlos sinnd. die situation vergeudet sich selber, ohne dass der situationist eingreifen muss. es ist erhabend, was da zu hören ist, oder erschüttelnd. et cetera.

(klicklinks zum hören; klickrechts zum speichern)