2016/12/02

a bunch of troggs: the troggs sagen 93 mal fuck, spielen zwei stücke, und dann kommen die pinkees aus stuttgart (1966 / 1970 / 1983)

das konzentrationslose zen-trumm der folgenden neunzehn minuten ist eine proberaumaufnahme der troggs von 1970; also eigentlich rein formal nicht das zentrum, sondern der anfang, also die ersten elf minuten, und dann erst kommt der rest; aber inhaltlich eben doch das zentrum; also ihr wisst schon. jedenfalls sind also die troggs 1970 im proberaum und spielen mit sich selber und sagen dabei 93 mal fuck, und werden sich trotzdem nicht einig, ohne zu bemerken, dass sie sich längst einig sind. andererseits haben sie das wahrscheinlich sehr wohl bemerkt und wollten nur noch den produzenten auf die palme schütteln. annieweigh! wir hören also die troggs von 1970, und kurz bevor es so richtig anfängt zu nerven machen sie denn dochnoch richtig musik: es folgen relativ nahtlos needless to say zwei sücke von 1966, mit dem kassettenrekordermikrofon aus dem deutschen fernsehen aufgenommen. vermutlich aus der sendung 'beat beat beat' vom hessischen runfdunk, vermutlich aber auch nicht; keine ahnung. und als sei das noch nicht genug stelle ich ahnusschliessend noch g'schwind den zusammenhank zu stuttgart her: die stuttgarter band the pinkees zerebrillieren 1983 eine version von can't coumtrol mysellfish, live mit wenne am schlagzeug, gerald am bass, einem gitarristen an der gitarre, und siemers am singen: funnagainstwaits!

2016/11/11

the cecil taylor unit / one too many / salty swift / and not goodbye / live in stuttgart am 14. juni 1978

cecil taylor im unterhemd im mozartsaal der liederhalle in stuttgart im juni 1978: john coltrane hatte hier schon gespielt, mit und ohne eric dolphy; duke ellington war hier, die callas, louis armstrong, charles mingus: und alle im anzug und in der abendgarderobe: und jetzt kam cecil taylor im unterhemd: draussen war es warm: der stuttgarter punk formierte sich allmählich auf der strasse und im park: und die in der liederhalle sich verschanzt habenden autoritäten verweigerten dem unterhemd den well-tuned konzertflügel, der hinter der bühne "nur für klassische pianisten" reserviert blieb, und verwiesen den neger (so hiess das damals tatsächlich noch; auch gestandene, nicht nur jazz-versteher, sondern tatsächlich jazz-begreifer wie joachim-ernst berendt benutzten diesen begriff völlig unreflektiert) auf das kneipenpiano aus der hintersten ecke der asservatenkammer: immerhin musste er das verstimmte teil nicht selber auf die bühne schieben.
das konzert beginnt fast akademisch mit der raum- und materialbefragung durch die beteiligten musiker in kleinen und kleinsten besetzungen: im solo und im duo: und erst nach zwanzig minuten findet sich die gesamte band auf der bühne und explodiert ohne weitere vorwarnung in ausgedehnten kollektivimprovisationen: und sie hauen nägel rein ohne ende.
the cecil taylor unit: jimmy lyons (altsaxophon), raphé malik (trompete), ramsey ameen (violine), cecil taylor (klavier), sirone (bass) und ronald shannon jackson (schlagzeug) spielten also am 14. juni 1978 die folgenden nicht näher bezeichneten stücke:

CD1
01 - 03:49 (lyons / malik)
02 - 11:24 (ameen / sirone)
03 - 05:35 (jackson)
04 - 24:16 (unit)
05 - 27:27 (unit)

CD2
01 - 29:01 (unit)
02 - 17:57 (unit) (listen directly in you browser)
03 - 28:33 (unit)

zweinhalb grossartige stunden, die das schweizer label hat hut 1980 als heutzutage fast unmöglich zu findende dreifachlangspielplattenbox one too many / salty swift / and not goodbye veröffentlichte, und später als begrenzte auflage auf einer seit 2004 nur noch schwer erhältlichen doppel-cd wiederveröffentlichte; von dieser cd-edition stammen auch diese aufnahmen.

(mp3 / all scans included / direct download)


2016/11/04

frauenklinik. revolt into style. stuttgart girl punk 1981.

stuttgart 1981. three very young girls bunked off school, formed a punk band and charmed and captivated all of us. susanna sat in on drums, stoic gabi played the bass and petra was heard on guitar and vocals. only very few recordings survived: some of the following tracks made their first public appearance on kraut mask replica, while the complete weilheim performance remained un-published until now. women take back the noise.

(susanna, petra, gabi: live in tübingen 1981-06-13: click to enlarge)
eine der ganz grossen errungenschaften des punk war die befreiende selbstverständlichkeit, mit der jetzt endlich frauen ihre eigene musik spielten und aufführten. zwar gab es auch vor 1976 bands wie die shaggs, die liverbirds, girlschool oder gto; doch diese musikerinnen wurden eher als exotisch schmückendes beiwerk der mackerkultur betrachtet und weniger als selbstbestimmt kreativ forschende. doch punk endlich gebar die runaways, die slits, lora logic, cosey fanni tutti, die raincoats, poly styrene, mania d., lydia lunch, kleenex, liebesgier und hunderte mehr: und niemand wunderte sich oder stellte blöde fragen.

nach stuttgart kam die revolution wie immer etwas später (bis heute gibt es im ländle keinen punk ohne bausparvertrag). 1980 schrieben petra, gabi und susanna vormittags während der schule ihre ersten songs, übten nachmittags das notwendigste und standen abends auf der bühne. was haben wir die frauenklinik geliebt: zuerst natürlich, weil die mädels so toll waren, dann aber auch bald für ihre musik: ja, wir mussten uns auch erst von unseren dummheiten befreien. an die nachnamen der mädels erinnere ich mich nicht mehr; allerdings weiss ich von den meisten anderen musikern dieser zeit nicht einmal mehr die vornamen. susanna war die etwas herbe schlagzeugerin, gabi die stoische bassistin und die von den allermeisten verhimmelte petra spielte gitarre und sang.

hier ist eine aufnahme vom 24.04.1981 zu hören, aufgenommen während eines konzertes in weilheim/teck. petra verwechselt in der ansage den stuttgarter osten mit dem eigentlich gemeinten stuttgarter westen, in dem immerhin zwei drittel der band wohnten. und: das augentierchen euglena ist ein einzelliger geisseilträger: "euglena betreibt photosynthese und ernährt sich gern von käse" - autofick haben aus dem stück dann die liebeserklärung oi!kleena gemacht. nun gut. jetzt kommt wieder musik:

wir hören:

1 - euglena (listen directly in your browser)
2 - pourquoi
3 - allein
4 - hass (mit götz von maria köhler on drums)
5 - nervensäge

frauenklinik 24.04.1981 live in weilheim/teck
(mp3 / 256 kbps / 24 mb / direct download: click right / listen: click left)

und noch eins:

zelle in reutlingen. im frühjahr 1981. alle schwäbischen kassettentäterInnen waren versammelt sich selbst zu feiern: autofick, name, empirische standardabweichung, der künftige musikant, anschlag, zimt, familie hesselbach, abc, moralische endrüstung und was noch so auf der ursuppe dahergeschwommen war: sich selbst zu feiern und den ersten echten auftritt der wunderbaren frauenklinik. susanna war die herbe schlagzeugerin, gabi gab die stoische bassistin und die von den allermeisten verhimmelte petra spielte gitarre und sang. es war so wunderbar und die mädels waren noch anders und besser als vorher berüchtet. beim letzten stück "nervensäge" hatte ich die ehre, am bühnenrand sitzen zu dürfen und "tick / tack" ins mikro murmeln zu dürfen. mir war selten wohler.

wir hören:

1 - euglena
2 - pourquoi
3 - allein
4 - nervensäge (mit siemers: background vocals)

frauenklink - live in reutlingen 1981
(mp3 / 320 kbps / 54 mb / direct download: click right / listen: click left)

man is the abbreviation of woman.

2016/10/21

paris 1978: albrecht/d. wohnt einem ritual der damals so genannten tendai-"sekte" bei, hustet ein bisschen, und meditiert vor sich hin. manchmal raschelt sein mikrofon.

eines von den vielenvielen tapes, die wir im nachlass des stuttgarter postfluxuskünstlers albrecht/d. gefunden haben; ausnahmsweise halbwegs sprechend beschriftet mit "paris 1978 / tendai sekte"; und damit ist das wenigstens mal so halbwegs klar: 1978 war albrecht/d. also irgendwann mal in paris und hat offensichtlich einem ritual der tendai-"sekte" beigewohnt. als "sekte" wurden in den späten siebzigern alle vom gutsituierten christentum auch nur einen hauch abweichenden kulte bezeichnet; man darf also auf diese bezeichnung nicht allzuviel bedeutungsverständnis verschwenden. in fact ist tendai eine von vielenvielen möglichkeiten, den zen-buddhismus auszuleben, und albrecht/d. hat sich auch von dieser möglichkeit angezogen gefühlt. dieser weg schien ihm so viel und so wenig sinnvoll wie viele andere.
die aufnahme dieses rituals stammt offensichtlich von ihm selber: wir hören ihn immer wieder sich räuspernd und leise hustend im hintergrund. ungewöhnlich ist, dass er über eine stunde lang seine klappe gehalten hat; aber so steht es geschrieben. wir hören also einen einstündigen nicht-gottesdienst, eine in den widersprüchen des seins sich verkrümelnde meditationsanmutung, die sich durchaus den interessierten zufallsgönnern und beiläufigen touristen zuwandte, ohne sich selbst auch nur im ansatz zu verleugnen. das ist wunderschön und nervig zugleich; aber das kennt ihr ja inzwischen. 

(zum anhören einfach mit der linken maustaste klicken, zum speichern mit der rechten maustaste klicken. die bilder, falls ihr die speichern wollt, solltet ihr speichern)

2016/09/23

achimsande mussichsterben: io, GAW und van daale reden über magma, heimatgeschichte und schöne frauen; aufgenommen 1981 in tübingen

1981 habe ich ja noch mitten in der südwestdeutschen kassettentäterszene in tübingen gewohnt; und ich war, wie ihr wisst, als van daale bekannt. jeeeeeeeenun; irgendwann im spätsommer 1981 also haben mich io, die dem erdboden und der erde am meisten verbundene punk-frau der damaligen welt, und GAW, der grösste avantgardist westdeutschlands mit seinem selbstgewählten akronym, in meinem studentenzimmerchen in der tübinger südstadt besucht. GAW war damals gerade in seiner albrecht/d.-phase (er sprach sehr langsam, liess jeden gedanken zu und äusserte ihn ohne bedenken, und er riss jeden noch so belanglosen gedankengang der anderen an sich und formte ihn zu einem möglichst platten witz), io planierte breiträumigst alle verständlichkeiten der konversation mit obskuren alltäglichkeiten, deren allgemeingültigkeit sich dem zuhörer auch dreissig jahre später noch nicht bis ins letzte erschliesst (diesen satz hätte sie damals wie heute mild bejubelt, und sie hätte mit zenbuddhistischer freundlichkeit irgendwas ganz anderes erzählt, ohne das eigentliche "thema" [the lema] zu erwähnen oder aus den augen zu verlieren), und van daale legte obskure platten von zomby woof oder magma auf, und sorgte sich um den grad der trockenheit seiner wäsche im externen trockenraum neben dem klo jenseits des ganges. insgesamt war das ganze also unglaublich banal, und das kommt auch ganz gut rüber. jede und jegliche sensation in diesem triolog ist also das gegenteil, beziehungsweise die nichterbringung oder kenntnisnahme oder einschliessung einer, irgendeiner, oder jedweder sensation. das dokumentierte gespräch hat also keinen inhalt. und das ist, ihr habt es schon geahnt, der eigentliche inhalt; sehr eigentlich, und sehr inhaltlich. eine konversation über nichts, wie sie john cage beschrieb, ohne nichts zu erwähnen (stellt euch das wort "nichts" in anführungszeichen vor).

(direkt anzuhören als mp3; die bilder müsst ihr speichern)

2016/09/16

das st. petersburger bläserquintett spielt werke von mozart, taffanel, hindemith und ligeti; leningrad 2002

das st. petersburger bläserquintett oder the st. petersburg woodwind quintett ist im netz nur schwer zu finden; und die wenigen fundstellen sind ebenso schwer zu verifizieren. es gibt unklare hinweise, dass sie mit neva-brass zusammenhängen, einem sich selbst zwischen 2008 und 2015 für alle möglichen anlässe als unterhaltungsmusiker anpreisenden quintett von holzbläsern; und mit grosser sicherheit sind die meisten mitglieder der hier präsentierten formation inzwischen (gleichzeitig, vorher, nachher?) beim mariinsky theatre wind quintet in st. petersburg beschäftigt. genauere nachforschungen hinter den angegebenen links ergeben sicher genaueres; aber ich erlaube mir den luxus, dazu im moment keine lust zu habe.
nebenan im wunschmaschinenklang hatte ich die gruppe letztens mal erwähnt, nachdem ich ihre-diese-hier cd im stuttgarter oxfam gefunden hatte. daraufhin meldetete sich einer meiner leser via twitter (seid ihr eigentlich alle zu blöd oder zu schüchtern, die anonyme kommentarfunktion in diesem blog zu nutzen, oder was?), und meinte, er hätte gerne mehr von diesem ensemble gehört. also, dann machen wir das jetzt.
die fünf leningrader jungs also spielen werke von mozart, taffanel, hindemith und ligeti; genaueres ist den scans zu entnehmen (manche sind hier direkt sichtbar; manche erst nach dem download; da bin ich eigen); und das ganze klingt angemessen angenehm. die obskurität der aufnahme lässt sie natürlich noch interessanter scheinen als sie sowieso schon ist; aber das ist ja der anspruch hier insgesamt, wollnmasagen. ihr wisst was zu tun ist.

(mp3 / all scans included / direct download)

listen to track 11 (ligeti; rubato) directly in your browser.


2016/09/06

1981, irgendwo zwischen leonberg und tübingen: sven blitzcreek, le marquis und ralf van daale fahren im auto und erzählen sich unglaublich platte witze

this one goes out to the eingeweichten, to the ausgewaideten und to the zweitgeweihträger: irgendwann im herbst 1981 fahren die drei jungs von zimt und autofick nach einer wie immer ertragreichen probe im leonberger übungsbunker zurück nach tübingen, und ich habe ihre flachen witze im auto aufgenommen; und ich bin auch noch stolz darauf, oder zumindest sehr froh darüber et cetera et cetera (kurzer diskurs über hierarchische strukturen im punk, und warum die hausbesetzerles mehr tolle frauen abgekriegt haben als die intellektuellen metapunker, und warum sven denn doch et cetera); und das hat noch nie jemand gehört.
da sind also sven blitzcreek gormsen am steuer, le marquis auf dem rücksitz, und ralf van daale aka siemers am kassettenrekorder. allesamt sind die drei von burroughs gestählte einzelkämpfernde supersoldaten der operation mindfuck; und so klingen wir denn auch: selbst fips asmusen hätte nicht mehr unter unser niveau gepasst; und wir alle liebten fips asmussen damals, und wir lieben ihn bis heute. aber davon mal abgesehen: die ersten paar minuten sind tatsächlich ziemlich öde; sind aber notwendig für das verständnis des dann kommenden. witze wie "eye and eye isst kaviar" werden tatsächlich erst im gesamtzusammenhang verständlich; und die einzelnen bezüge auch der akteure untereinander und ihre sich gegenseitig erklärenden witzchen werden erst im nachhinein verständlich. so auch jetzt: ich erkläre euch im nachhineinonkelotto, dass die sich einander aufhebenden erklärungen der erklärten witze sich ineinander metaverklärt aufheben und immanentimplizit sich selber auf eine sich bis dato nur geahnte ebene transfomieren; nicht etwa "erheben", da die hierarchische struktur der ebenen weder bekannt, noch, wenn sie denn überhaupt existiert, akzeptiert ist, und als nichtgesagtes in sich selber aufgeht, überflüssig wird, und noch nicht mal an der nächsten strassenecke auf den dreamseller warten kann, ohne sich über sich selbst (ohne das selbst in sich zu haben, oder es anderen zu begreifen) kaputtzulachen, was schöner aussieht als kaputt zu lachen; sich also im schreib-, setz, oder druckfehler wiederfindet (als hätte es sich tatsächlich verloren) und das eigene in irgendeiner wirklichkeit vorhandene niveau als das unter sich selbst befindende und befindliche akzeptiert, und vermutlich auch an diesem punkt des raumzeitkontinuums (das ja in wirklichkeit kein kontinuum ist; wobei man sich fragen muss - wer auch immer "man" ist - ob es wirklich ein kontinuum ist) schon wusste, oder zumindest wusste, das man es irgendwann wird wissen wollen oder werden wird  oder gar müssen; nicht "müssen" im hierarchischen sinne der abfolge, sondern als logische konsequenz im linearen ablauf, der durch die gleichzeitige wahrnehmung aufgehoben sich in sich selbst verschlingt.
so klingen in diesen platten witzen die dinge mit, die wir damals noch unterhalb der banalität bereits anklingen liessen; und ihr geht mit uns auf die reise in das eigene nichtbewusste und kommt in irgendeinem irgendwo raus, von dem ich gerne mehr erfahren möchte; dafür gibt es die (gerne auch anonyme) kommentarfunktion in diesem blog. horridoo!

(mp3 / linksklick zum anhören, rechtsklick zum speichern)